Die Kameras

 

 

 

 

 

 

Bevor ich mein Herz für die Smartphones aus den Fabriken von Huawei und Honor entdeckt habe, war ich mit den jeweiligen Spitzenmodellen von Samsung und Sony unterwegs, von denen sich selbst jetzt noch einige im Haushalt befinden. So habe ich weitreichende Erfahrungen zuletzt mit dem Xperia Z3 machen dürfen. Warum ich das schreibe? Nun, das Honor 7 hat den Nachfolge-Sensor des Chips im Z3 verbaut, den 1/2,4" Sony IMX230. Auf den quetschen sich, wie schon im Hardware-Kapitel ausgeführt, 20 Megapixel. Das nutzt der Werbung, aber unter Umständen nicht guten Fotos. So war die Kamera-App des Z3 recht zickig und die Fotos bei Low-Light kaum zu gebrauchen, zudem ließ sich der AF eine Menge Zeit, an spontane Schnappschüsse war nicht zu denken. Dem AF wurde mit der aus DSLRs bekannten Phasen-Detektion gehörig zu Leibe gerückt. Anders als bei DSLRs ist in einem Smartphone kein Platz für einen gesonderten PAF-Sensor und einen Spiegel-Klappmechanismus. Also hat Sony die Detektoren auf dem Sensor plaziert, ein Trick, wie er schon bei der für ihren schnellen AF bekannten Sony Alpha 6000, einer Systemkamera, angewandt wird. Das von Honor aufwändig konstruierte Objektiv soll ebenso wie eine gelungene Kamera-App die Vorteile des hochauflösenden Chips zur Geltung und die physikalischen Nachteile durch Rechenpower ausbügeln. Leider fehlt ein echter optischer Image-Stabilisator, die elektronische Variante ist lediglich ein Behelf.

 

Die Foto-App ist intuitiv und übersichtlich aufgebaut und bei beiden Kameras gleich. Durch Schieben nach rechts oder links geht es in die verschiedenen Betriebsmodi, durch einen Tipp auf die Einstellungen gelangt man in einen weiteren App-Auswahlbildschirm. Hier sind Funktionen wie Zeitlupe (für Video), Panorama (auch für Selfie im Portraitformat), Super-Nacht (s.u.), HDR, Gesamt Fokus (hier kann der Fokus nachträglich verlagert werden), Bestes Foto (die Kamera fotografiert in schneller Folge, der User wählt das beste dieser Fotos aus), Wasserzeichen, Zeitraffer (für Video) und die Audionotiz (MP3-Datei wird mit dem Foto verknüpft). 

Der Super-Nacht-Modus lässt sich zur manuellen Einstellungs-Spielwiese zweckentfremden

 

Ein Tipp auf Einstellungen öffnet die weitreichenden Konfigurationsmöglichkeiten. Der verbaute Sensor hat das 4:3 Format, d.h. bei 16:9 wird nur ein Teil des Sensors belichtet, was eine geringere Auflösung bedingt. Die Einstellung perfektes Selfie "verschönert" Selbstaufnahmen der Frontkamera in Stufen von 1-10. Dabei werden nicht nur Hautunebenheiten weggebügelt, sondern dazu z.B. die Augen vergrößert. Das funktioniert übrigens nur, wenn die Software ein Gesicht erkennt.

Es lassen sich verschiedene Möglichkeiten einrichten, um direkt aus dem Standby in die Kamera-App zu gelangen. So lässt sich durch einen zweifachen Tipp auf die Lautstärke-Taste entweder die App öffnen oder direkt ein Foto schießen. Dabei wird in ca. 1,4 Sekunden nicht nur die App geöffnet, sondern gleichzeitig fokusiert und das Foto gespeichert.

In einigen Teilen der Welt finden Menschen zunehmend Vergnügen darin, ihre Mahleiten vor dem Verzehr zu fotografieren. Dem trägt Honor mit einer speziellen Funktion, passenderweise "Lebensmittel" genannt, Rechnung.

Ok, das sind jetzt keine Lebensmittel, verdeutlicht aber die Funktionsweise der App. So werden die Bildparameter deutlich ins warme gezogen, die Farbsättigung erhöht.

 

Für den Mitteleuropäer sinniger sind die Sonderfunktionen der offenen Blende.

Der besondere Clou bei diesen Funktionen ist die optimale Belichtungskorrektur bei den Aufnahmen, die zudem live auf dem Display mitverfolgt werden kann und selbst eingefleischte DSLR-Fans in Erstaunen versetzt. So gelingen perfekte Aufnahmen mit offener Blende, die aufgrund der langen Belichtungszeit natürlich ein Smartphone-Stativ voraussetzen.

Die Foto-App lässt einiges an manuellen Einstellungen zu. So lassen sich Farb-Parameter ebenso beeinflussen wie die ISO und die Belichtungszeit.

Zudem steht einiges an Filtern zu Verfügung.

Wir kennen sie alle, die QR-Codes, die mittlerweile den Weg auf fast jede Verpackung, viele Artikel und nicht zuletzt in die Werbung gefunden haben. Der Quick Response Code wurde von der japanischen Firma Denso Wave schon 1994 entwickelt, um möglichst umfangreiche Informationen maschinell lesen zu können. Er ist wegen der integrierten Fehlerkorrektur besonders sicher. Normalerweise benötigt ein Smartphone eine gesonderte QR-App, das Honor 7 hat sie bereits in der Kamera-App eingebaut.

Einfach den QR-Code mit der Kamera erfassen, dann erscheint nach Erkennung eine Tastfläche, die angetippt den Inhalt des Code, meist eine URL oder ein Foto, anzeigt.

Videos werden lediglich mit 1080x1920 Pixeln Auflösung, also Full-HD, aufgenommen. Gängige Spitzenmodelle setzen mittlerweile auf 4k-Videos.

Zwar sind Zeitlupe und ein beeindruckender Zeitraffermodus an Board, die Video-Funktion fällt aber gegenüber der Foto-Funktionalität gehörig ab. So hält Honor stur an der Gepflogenheit fest, einen einmal fixierten Video-Fokus nicht automatisch anzupassen. Die manuelle Korrektur ist dagegen jederzeit möglich. Das ist in der Profiwelt zwar so vorgegeben und soll unnötiges AF-Pumpen während er Aufnahme vermeiden, der Smartphone-Nutzer mag jedoch in der Mehrheit die Variante mit dem nachziehenden Autofokus. Davon abgeshen, gelingen die Full-HD-Aufnahmen gut.

Wenden wir uns also den Fotos im praktischen Ergebnis zu. Zunächst gilt anzumerken, dass der PDAF beeindruckend greift. Der Autofokus sitzt in beeindruckender Geschwindigkeit fast ohne merkliche Verzögerung, selbst die Objektverfolgung, ein schwieriges Kapitel selbst für gestandene DSLRs, funktioniert zufriedenstellend. Dabei wird ein sich bewegendes Objekt fixiert und dann vom AF der Kamera verfolgt. Spitze!

Ein Klick auf die Fotos öffnet die 100%-Darstellung, die Exifs sind enthalten. Wir empfehlen den Download auf den eigenen Rechner und die Betrachtung in einem entsprechend geeigneten Foto-Tool, z.B. dem Fast-Stone Image-Betrachter. Alle Fotos sind Out of the Cam, ohne jegliche weitere Bearbeitung.

 

Das Objektiv bringt die 20MP-Auflösung selbst bei Fernaufnahmen - ein kniffliges Thema für die kleinen Smartphone-Linsen - gut zur Geltung. Selbst im Randbereich sind kaum Verzerrungen erkennbar, die Auflösung ist hoch.

Abseits der Panorma-Fernaufnahmen gelingt dies natürlich ebenso gut. Die feinen Holzstrukturen werden selbst bei 100%-Pixelpeeping noch gut herausgearbeitet.

Einige Impressionen quer durch den Herbst-Wald:

 

 

Der AF lässt sich mit einem Tipp auf das Foto leicht verlagern.

Kleine Sensoren haben gemeinhin mit einer knappen Dynamik zu kämpfen. Wir machen die Extrem-Probe: Gegenlicht.

 

Noch einmal zur Verdeutlichung: das ist direkt in die Sonne fotografiert! Dennoch saufen die dunklen Bildelemente nicht völlig ab, bleiben weitestgehend strukturiert - Klasse!

 

Normalen Abstand kann jeder, wie schaut es aus, wenn wir nah dran gehen? Die Naheinstellungsgrenze ist vom Hersteller mit 5cm angegeben, das hat beinah echte Makro-Qualität. Ganz ohne weitere Einstellungen. Schaut selbst, wie die Ergebnisse geworden sind.

 

 

 

 

Panoramaaufnahmen lassen sich mit noch guter Auflösung recht unproblematisch erstellen.

 

Wie schaut es nun mit den Low-Light-Fähigkeiten aus? Wie gut kann die Kamera-App mit ihren internen Berechnungen mit dem Rauschen umgehen? Aufbauend auf den Erfahrungen mit dem Z3 habe ich Schlimmes befürchtet und bin doch positiv überrascht worden.

Die Aufnahme entstand in einem sehr düsteren Flur. Der Klick auf die 100%-Ansicht lässt erkennen, dass das Kater-Fell natürlich nicht mehr vollständig aufgelöst wird, Rauschen ist ebenfalls vor allem in Flächen erkennbar. Insgesamt jedoch ist das durchaus brauchbar!

Ein Wort noch zur Selfie-Kamera. Sie löst mit 8MP auf, hat einen brauchbaren Fixfokus und ist selbst am Rand noch scharf:

Honor hat den schwierigen 20MP-Sensor sehr gut im Griff. Die Kamera des Honor 7 überzeugt bei gutem Licht mit einer enorm hohen Auflösung, Low-Light-Fotos sind noch gut verwendbar. Der PDAF ist blitzschnell und sehr treffsicher, die Linsenkonstruktion wertig. Dennoch empfiehlt sich eine ruhige Hand, ohne einen OIS sind gerade bei der hohen Auflösung schnell Verwackler in der Aufnahme. Die Kamera-App funktioniert intuitiv und gut, von den Sonderfunktionen sind einige durchaus brauchbar, die Lichtspielereien bei offener Blende faszinierend. Insgesamt geht unser Daumen bei den verbauten Kameras des Honor 7 also ganz klar nach oben!

 

Kommentare   

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